Auch ein ostdeutsches Kind hat ein Recht auf eine gewaltfreie Begleitung!

(Auch) ein (ostdeutsches) Kind hat ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung, Paragraph 1631 BGB.

So „bescheuert“ ihr alle diesen Satz jetzt finden mögt, so wahr und lebensnah ist er in meinem Leben. Ich wohne in der Provinz, in Sachsen-Anhalt. In meinem weitläufigen Umfeld wird eine Begleitung von Kindern oft noch gewaltvoll angegangen. „Das war schon immer so und das wird auch weiter so gemacht!“, „Uns hat das auch nicht geschadet!“, „Ein Klapps auf den Po macht dem Kind doch nichts!“,“Jede*r kann mit seinem Kind machen, was er will!.“ Diese Sätze und Denkweisen sind tief verankert und ich höre und lese das recht häufig. Leider steigt die Gewaltbereitschaft, Kindern gegenüber, auch in Sachsen-Anhalt, wie das Landeskriminalamt berichtet.

Ich habe z.B. Freund*innen, um ganz authentisch in meinem Umfeld zu bleiben, die in ihrer Kindheit in einem Kinderheim der DDR groß wurden und diese Erfahrungen wohl niemals richtig verarbeiten werden. Gewalt war dort ein wirklich großes Thema, um die Kinder wieder „konform“ zu machen, die sich gegen das System auflehnten. Diese Narben werden meine Freund*innen immer auf der Seele behalten. Aber auch bei Freund*innen, die in ihren Familien lebten, war Zucht und Ordnung in Kita, Schule und Daheim angesagt. Es sind tief verankerte Einstellungen und Denkweisen, die bis in die heutige Zeit schwappen und von den jetzigen Generationen weiter gelebt werden.

Ich bin eine Mama mit den gleichen Ängsten und Sorgen, wie alle anderen Eltern auch. Ich habe genauso meinen Weg vor mir und bin nicht perfekt und lerne jeden Tag dazu. Ich will auch niemanden belehren oder meinen Weg der bindungsorientierten Elternschaft und Pädagogik als einzig richtigen Weg darstellen. Es ist ein Weg, es ist mein Weg. Ich finde es aber besonders wichtig, Kinder respektvoll zu behandeln. Respektvoll und ohne Gewalt zu begleiten. Dafür stehe ich und dafür steht der Blog. Wenn Kinder physische oder psychische Gewalt erleben, schadet es ihnen. Da gilt für mich kein „Das hat uns auch nicht geschadet“ und „Das wurde schon immer so gemacht.“ Gewalt ist niemals in Ordnung! Gewalt an Kindern ist Machtmissbrauch und verboten!

Bücher von Nora Imlau, Katja Seide & Danielle Graf, Susanne Mierau, Nicola Schmidt, Gerald Hüther und Herbert Renz-Polster, um nur einige Autor*innen zu nennen, kennen hier im schönen Sachsen-Anhalt die wenigsten Menschen. Bindungsorientierte Elternschaft? Beziehungsorientierte Pädagogik? „Da dürfen doch alle machen was sie wollen und es gibt keine Regeln“, wird gesagt und gedacht. Fertig sind die Menschen mit diesem Thema. Es wird oft ein Stempel aufgedrückt und dann muss man sich selbst nicht weiter mit der Thematik beschäftigen. Schade eigentlich und traurig zugleich.

Alle lieben ihre Kinder, davon gehe ich stark aus und alle wollen nur das Beste für ihre Kinder. Unterschiedliche Wege sind auch völlig normal und machen unsere Gesellschaft aus, aber Gewalt an Kindern nicht und da möchte ich wachrütteln und aufklären. Es ist nicht in Ordnung und es ist nicht rechtens und ihr solltet euch von niemandem etwas anderes erzählen lassen.

Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Wir können jeden Tag neu beginnen und umdenken. Ein Schrei weniger, ist ein Schritt in die Liebe und ein Blick Richtung Menschenwürde.

Beispielsweise ein Buch über die Trotzphase zu lesen hilft enorm, das Handeln der Kinder besser zu verstehen und sich selbst zu reflektieren. Man wird klarer und fühlt sich nicht mehr so ohnmächtig, wenn die Kinder mit all ihrer Kraft autonom werden. Geht ins Gespräch mit euren Partner*innen und versucht einmal zu schauen, was noch aus der eigenen Kindheit an Glaubenssätzen überschwappt und ob das überhaupt noch zeitgemäß, nötig und auch rechtlich vertretbar ist. Stellt euch wirklich einmal die Frage: Ob ihr selbst so behandelt werden möchtet? Würdet ihr das auch mit eurem Partner*in machen, was ihr da mit den Kindern macht? „So Michi, jetzt isst du aber deinen Rosenkohl auf oder du bekommst eine auf den Arsch .“ Niemals würde ich das zu meinem Mann sagen und niemals zu meinen Kindern und doch tuen es 2018 noch täglich Menschen und danach kommt der Schlag auf den Po oder den Hinterkopf.

Mein Herz fasst immer wieder den Mut, sich für Kinder einzusetzen. Besonders liegt mir mein Bundesland am Herzen, denn hier ist einfach noch sehr viel Aufklärungsbedarf. Astrid Lindgren sagte einst: “ Ich stehe immer auf der Seite der Kinder.“ und dieses Zitat ist mir wichtig und lässt mich innehalten.

Aufbruch zum Umdenken steht nicht nur für mich als Mutter, sondern auch für mich als Pädagogin. Lasst uns unsere Kinder mit Liebe und Respekt begleiten. Lasst uns Kinder wertschätzen. Lasst uns gemeinsam aufbrechen und unsere Kinder lieb haben und sie Kinder sein lassen. Lasst uns Deutschland zeigen, dass wir nicht DUNKELdeutschland sind, sondern bunt und herzensgut und voller Liebe für Kinder. Lasst uns gemeinsam aufbrechen und umdenken. Sachsen- Anhalt ist es mir wert, denn ich wohne gern hier und es ist meine Heimat und soll eine offene, wertschätzende und gewaltfreie Heimat für unsere Kinder sein.

Wenn ihr Hilfe braucht, die Spirale zu durchbrechen, wendet euch an diese Stellen (ein Verzeichnis von Hilfsangeboten befindet sich am Ende der PDF). In diesem Leitfaden ist auch noch einmal genau beschrieben, was unter Gewalt zu verstehen ist und wie man diese stoppen kann. Ich habe dieses Dokument in meiner Bachelorarbeit genutz.

Stoppt Gewalt gegen Kinder – Leitfaden Sachsen-Anhalt

Leitfaden Opfer schützen

Opfer schützen

Eure Leen

Ein tolles Statement gegen Gewalt könnt ihr auch bei Susanne, Katia und bei Aida lesen.

Chezmamapoule ruft zur Onlinepetition auf, um die Gesetze in der Schweiz anzupassen, denn dort gibt es keinen Paragrafen 1631, also unterzeichnet doch bitte online.

5 Kommentare zu “Auch ein ostdeutsches Kind hat ein Recht auf eine gewaltfreie Begleitung!

  1. Oh man, Leen! Du triffst es genau. Leider ist das nötig, leider mit dieser speziellen Note.
    Ich habe vor Jahren eine Kita eröffnet. Seit Jahren arbeiten wir unermüdlich am Thema und fühlen uns oft, als träten wir auf der Stelle. Immer wieder Eltern, die nix von Renz-Polster und Co. wissen und auch nicht wissen wollen …
    Eltern, die schreien, ziehen, klapsen. Eltern, die Gehorsam erwarten und den leidvollen Weg dahin mit Strafen pflastern. Tja, gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht.

    Ich freue mich, dass ich deinen Blog gefunden habe, hier bei uns in Dunkeldeutschland.

    Liebe Grüße aus der Altmarkt,
    Anja

    • Hallo Anja! Herzlich Willkommen. Ich freue mich, dass du da bist. Schön von eurer Einstellung in der Kita zu lesen. Mir geht das Herz auf. Ganz liebe Grüße sende ich dir.

  2. Danke für diesen berührenden Artikel! Aber wie ja die Umfrage bei Antenne Bayern gezeigt hat, ist Gewalt auch in anderen Bundesländern wohl noch viel weiter verbreitet, als es mir zumindest bewusst war! Umso wichtiger, dass es Blogs wie Deinen gibt!

  3. Pingback: Gewalt und Bloßstellung im Kindergarten in der DDR ~ BeziehungsweiseLiebe

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