Beziehung statt Erziehung und der Umgang mit Grenzen!?

Es ist aber auch schwierig, ins Gespräch zu kommen! Ich hätte niemals gedacht, dass es so auf Gegenwehr stößt, wenn ich von unserer Lebenshaltung, der Beziehung statt Erziehung, spreche. Ich will ja noch gar nicht mal sagen, dass wir ganz „Unerzogen“ leben. Ich rede ja einfach erstmal nur davon, dass wir in Beziehung gehen und schon da bin ich die „Laissez-faire-Mama (machen lassen und laufen lassen, frei übersetzt) „, bei der das Seidenraupenkätzchen tun und lassen kann was sie will, wie z.B. sich von einem Auto überfahren zu lassen.

Den überall lesbaren Vergleich, dass wir alle unsere Kinder vor Autos und Züge laufen lassen, ist so skurril, dass  ich es kaum noch hören mag. Attachment-Mamas und Papas, Unerzogen-Mamas und Papas oder die Beziehung statt Erziehung Mamas und Papas (oft ist es ja eine Verschmelzung von diesen Haltungen, denn das Leben ist bunt, richtig? ) würden niemals ihre Kinder vor Autos oder Züge oder was weiß ich was laufen lassen. Dieser Vergleich hat absolut nichts mit der inneren Haltung zu tun, ein Kind in Gleichwürdigkeit, Liebe und Beziehung zu begleiten. Ganz ehrlich!

Würde mein Kind einer lebensbedrohlichen Situation ausgesetzt sein, würde ich es sofort (auch gewaltvoll) von dem Bahnsteig oder von dem Auto weg ziehen. Ich habe die Verantwortung und da wird nicht lange gefackelt oder geredet oder in Beziehung gegangen. Da wird reagiert! Im Nachgang würde ich ganz in Ruhe die Situation noch einmal besprechen.

Persönliche Grenzen

Wir haben einfach persönliche  Grenzen und keine künstlichen Grenzen und das Achten dieser Grenzen, ist meiner Meinung nach, mit der Achtung von Bedürfnissen gekoppelt. Jeder Mensch hat seine eigenen persönlichen Grenzen und persönliche Bedürfnisse. Künstliche Grenzen sind für mich alte Erziehungweisheiten und Glaubenssätze, die ich schon einmal kurz hier verbloggt habe.
Nehmen wir ein ganz persönliches Beispiel, um es etwas näher zu erklären.

Mein Kind möchte gern den ganzen Tag von mir getragen und bekuschelt werden. Es hat somit ein Bedürfnis nach Nähe und bestimmt auch nach Geborgenheit. Ich gehe in Beziehung und bin da. Irgendwann ist aber meine persönliche emotionale Grenze erreicht und ich brauche ein paar Minuten für mich. Wenn es noch so klein ist, wie meins, dann wäre der Papa in der Nähe gut, um mir das Kind für ein paar Minuten abzunehmen. Wenn ich das Gefühl habe, Freiheit spüren zu müssen, kann ich sicher noch etwas herauszögern, wenn der Papa nicht gleich vor Ort ist.

Mein Kind kann das in diesem Alter noch nicht, da es noch eine fast sofortige Bedürfnisbefriedigung braucht. Wenn ich aber permanent über meine Grenzen gehe, dann merkt das mein Kind auch. Es fühlt meine Unausgeglichenheit und ich bin kein Vorbild, wenn ich vorlebe, dass ich immer über meine persönlichen Grenzen gehe und andere Menschen über mich selbst bestimmen. Das wird oft verwechselt, wie ich finde.

Von AP- Eltern und Bindungsmenschen wird in der Gesellschaft gedacht, dass wir den ganzen Tag über unsere persönlichen Grenzen gehen und unsere Kinder mit uns machen können, was sie wollen. Das ist ein völliges Irrbild. NEIN! Wir schauen auf alle Bedürfnisse & Gefühle von jedem aus der Familie. Wenn ich meine persönliche Grenze wahre, habe ich für mich gesorgt, kann Kraft tanken, um dann wieder für mein Kind da zu sein. Ich kann aber auch klar mit mir sein, wenn es für mich nicht mehr auszuhalten ist und sagen: „Ich brauche jetzt eine kurze Pause.“ Es ist möglich, dass mein Kind jetzt weint, was ich als bewusste Mama auch verstehe.

Ich habe immer die Möglichkeit zu reden. “ Schatz, fühlst du dich traurig, dass ich dich jetzt im Spielzimmer auf den Boden gesetzt habe?“ Ich sage nicht so gern „bist du“ sonder lieber „fühlst du“, weil ich glaube, dass es wertvoll ist, früh Gefühle zu benennen und kennenzulernen. Fühlst du dich traurig? Fühlst du dich wütend und grummelig im Bauch? Fühlst du dich glücklich? Es hört sich im ersten Moment sicher etwas gewöhungsbedürftig an, aber ich mag diese Art sehr. Diese Gefühlsspiegelung kann ich ruhig wiederholen und immer wieder sagen.

Ich kann auch sagen „Ich möchte jetzt einen Moment meine Arme und Beine strecken und mich mal so richtig lang machen“. Ihr könntet euch auch zusammen etwas bewegen oder tanzen oder Quatsch machen. Ich merke, dass Kinder sich danach immer recht schnell wieder beruhigen, wenn ich als Erwachsener Gefühle vom Kind benenne und diese auch wiederhole. Ich sehe, du fühlst dich gerade traurig, ich sehe das mein Schatz. Ich wahre damit meine persönliche Grenze und bin doch auch mit mir klar und mit meinem Kind in Beziehung, da ich das ganze kommunikativ begleite. Ich würde sie nie in dieser Situation isolieren.

Auch hier gilt wieder: Ich setze das Kind nicht ab und brülle, wie es vielleicht früher gehandhabt wurde :  „Nein, jetzt ist Schluss“ oder „Du hörst jetzt auf, ich kann nicht mehr“. Das ist sicher im ersten Moment der einfacherer Weg, aber perspektivisch ist eine Begleitung mit einen beziehungsorientierten Weg besser für den restlichen Tag und natürlich das Leben. Der Frust aus Meckerein und Motzen kommt am Abend wie ein Bummerang zurück. So versuchen wir gleich den Konflikt zu begleiten und haben danach einfach Ruhe, auch nicht schlecht oder? Wenn wir beziehungsorientiert leben, lernen unsere Kinder viel über Wertschätzung, Bedürfnisse und Grenzen. Es ist es wert. Davon bin ich überzeugt.

Eure Leen

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9 Kommentare zu “Beziehung statt Erziehung und der Umgang mit Grenzen!?

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