Bindungs-, bedürfnis-, und beziehungsorientierte Kita – Der perfekte Kitatag!

Überall sprießen die Negativbeispiele von Kitas und deren Personal aus dem Boden. Da kam mir die Idee, den für mich perfekten Kitatag fiktiv zu skizzieren, wie ich es mir als Mutter und Kindergärtnerin so vorstelle. Es sind bestimmt für einige nur Kleinigkeiten, aber der Beitrag beinhaltet Dinge, die mir sehr wichtig sind! Wir gehen zu keiner Kita bzw. Krippe, aber wenn wir es tun würden, würde ich es mir so wünschen, wie ich es im Folgenden beschrieben habe. 

Die Begrüßung 

Ich bringe mein Kind in die Einrichtung. In dem Raum, in dem meine Tochter empfangen wird, kommt eine pädagogische Fachkraft zur Tür, um mein Kind persönlich und auf Augenhöhe zu gegrüßen. Das geschieht natürlich mit einem Lächeln im Gesicht und einem freundlichen *Guten Morgen*.

Das ist mir sehr wichtig, weil ich es furchtbar finde, wenn Kinder orientierungslos an Türschwellen stehen und nicht angesehen oder geschweige denn begrüßt oder mit einem halbherzigen „Komm rein“ abgespeist werden. 

Der Tag

Nach der Begrüßung fragt die anwesende Fachkraft, was mein Kind jetzt gern machen möchte. Frühstücken oder spielen. 

Ich persönlich habe eine Öffnung einer Kitastruktur selbst mitgemacht und die Kindercafeteria kennengelernt. Dort bestand die Möglichkeit von, sagen wir mal, 07:00 bis 09:00 Uhr zu frühstücken. In diesem Raum war immer eine Kindergärtner*in und frühstückte mit den Kindern im rollenden System. Ich mag es, wenn Kinder sich ihr Brot selbst schmieren können oder ihr Müsli selbst zusammenstellen dürfen. Wer fertig war, machte sich etwas frisch und ging in einen anderen Raum zum spielen oder raus in den Hof/Garten/Gelände. 

Meine Kindergärtner*in und ich vertrauen auf das Gefühl meiner Tochter und akzeptieren das Spiel oder auch die Cafeteria als selbstgewählte Option. 

Es kommt ja auch auf viele Dinge an, z.B. Wie spät ist es? Wurde schon zuhause gefrühstückt? Welche Fachkraft ist in welchem Raum eingeteilt? Welche emotionalen Befindlichkeiten hat der kleine Mensch heute? Usw…

Nach dieser Phase entscheidet meine Tochter ob sie weiter spielen möchte, hinaus an die Luft in das Freigelände gehen mag oder an einem Angebot teilnimmt. An jedem Ort und in jedem Raum ist eine begleitende Kindergärtner*in, an den oder die sich mein Kind wenden kann, wenn sie etwas braucht oder fragen möchte. 

Die Toiletten-Situationen sind modern geregelt. Kinder gehen, wenn sie müssen und nicht, wenn die ganze Gruppe geht. Im Krippenalter gibt es kein Topfen in der gesamten Gruppe mehr und es wird nach Bedarf gewickelt oder bei dem Töpfchen/ Toilette individuell begleitet. 

Ich habe es so erlebt, dass eine Kollegin dann im Raum war und eine situativ mit den Kindern im Bad/ Waschraum, wenn es nötig war. Einige Kinder, sogar Krippenkinder,  gingen schon komplett allein in den Waschraum. Es wurde individuell entschieden.

Im Krippenbereich wäre die Öffnung der Räume noch etwas anders. Ein Öffnung zwischen den einzelnen Räumen der Krippe wäre möglich. Die Flure könnten als Strecke für Fahrzeuge genutzt werden oder es könnten Bewegungslandschaften aufgebaut werden. 

Auch die Krippenkinder könnten zusammen in der Cafeteria speisen und ihre Brote selbst beschmieren – hier ist auch Selbstbestimmung wunderbar möglich, z.B. indem sich die Kinder ihr Essen selbst auftun und den Tisch mit decken. Eine gestellte Frühstücksverpflegung über die Kita  fände ich sehr gut.

In der Mittagszeit gibt es in der Kita die Möglichkeit nach dem Essen zu schlafen oder aufzubleiben. Kinder, die nicht schlafen möchten, haben die Möglichkeit in der Aufbleibgruppe über die Mittagszeit ruhig zu spielen oder Hörbücher zu hören.

Es kommt ja strukturell immer auch auf das Konzept hinter der Einrichtung an. Es geht mir hier aber eher um Grundgedanken, denn sicher sieht die Struktur einer Waldkita anders aus, als die der Kita im Stadtbezirk. 

Das Abholen

Die Kinder werden von der jeweilig eingeteilten Fachkraft ordentlich verabschiedet. Dies geschieht auch wieder, indem mein Kind angesehen und direkt angesprochen wird. 

Bestenfalls bekomme ich von der Fachkraft Auskünfte über den Tag. 
Ist dies nicht der Fall, gibt es in der Kita einen Ort an dem ich diese Auskünfte bekomme. Es laufen Bilder vom Tag/ von der Woche an einem Ort für die Eltern sichtbar, beispielsweise auf einem kleinen Monitor, oder ich kann es in einem Dokument nachlesen. 

Ich finde es sehr anstrengend, wenn Eltern die ganze Woche nur „War alles gut.“ oder „Er/Sie hat schön geschlafen/gegessen.“ hören. Wenn ich mein Kind in eine Einrichtung bringe, möchte ich auch an diesem Teil des Lebens teilhaben. Ein paar kurze Eindrücke würden sich sehr gut anfühlen. In meiner Einrichtung, in der die Öffnung erfolgte, gab es einen Bildschirm und dort wurden ein paar Tagesinspirationen gezeigt, Bilder von Feiern, Festen und Angeboten. Die Eltern konnten nachvollziehen, was an diesem Tag/ in dieser Woche passierte. 

Der Umgang miteinander unter allen Beteiligten 

Perfekterweise gibt es in der Kita ein Stammpersonal und besonders in der Krippe feste Bezugs-Kindergärtner*innen mit einem Schlüssel von 1:2/3 im Krippenbereich und einem von 1:6/7 im Kindergartenbereich. Auch im Kindergartenbereich sind die pädagogischen Fachkräfte dauerhaft und Bezugspersonen. Bindung, Beziehung und Bedürfnisse werden GROSS geschrieben. 

Alle Fachkräfte nehmen die Bedürfnisse der Kinder ernst. Es gibt in dieser Kita keine Äußerungen wie: „Das hat uns auch nicht geschadet.“ oder „Jetzt mach den Mund auf, du musst etwas essen.“ oder „Augen zu, jetzt wird geschlafen.“ mehr. 

Die Kinder in meiner Traumkita werden wertschätzend behandelt, ernst genommen und in ihren Bedürfnissen und Gefühlen begleitet.

Die angestellten pädagogischen Fachkräfte lieben ihren Job, der Träger gewährleistet einen gute Bezahlung und auch ausreichend Weiterbildungen für unsere Kindergärtner*innen und andere Fachkräfte, damit diese auf dem neusten Stand sind. Durch Weiterbildungen, Supervisionen und Teambildungsprogramme sorgt das Team für die seelische Gesundheit. 

Bei pädagogischen Angeboten wird kein Kind gezwungen oder permanent animiert mitzumachen. Die Kinder bestimmen selbst, was sie machen möchten und was nicht. So verhält es sich auch bei der Wahl der Aktivitäten und Spielmöglichkeiten. 

Kein Kind wird zum Essen gezwungen und der Rosenkohl darf auf dem Teller bleiben, wenn dieser nicht mundet und es muss auch nicht aufgegessen werden, weil „sonst die Sonne morgen nicht mehr scheint“. Essen läuft immer ohne Druck ab. Bestenfalls tuen sich die Kinder ihr Essen selbst auf. 

Kein Kind muss essen, schlafen, zum Töpfchen gehen. Über den Körper darf in meiner Traumkita selbst bestimmt werden, egal wie alt das Kind ist. 

Ein NEIN vom Kind wird akzeptiert! Es gibt keine Strafen, stattdessen gehen die Fachkräfte in Beziehung und reden über Probleme und suchen gemeinsam nach Lösungen. 

Mit den Eltern der Kinder besteht eine Partnerschaft. Es wird viel geredet, es werden regelmäßig Gespräche geführt und es wird gemeinschaftlich begleitet. 

Alle Beteiligten sind der Meinung, dass die Kita eine familienergänzende und nicht ersetzende Leistung ist. Das heißt auch für die Eltern, dass sie sich aktiv einbringen und die Kita unterstützen, wo es nur geht. 

Ich sage es noch einmal. Es besteht eine Partnerschaft. Gespräche finden immer statt, nicht nur, wenn es Probleme gibt und es kann über ALLES konstruktiv gesprochen werden, ohne Angst und Druck. Wir sind Partner und arbeiten eng zusammen.

 Alle wollen eine wertschätzende Atmosphäre und Umgang zwischen den Akteuren. 

Wie sieht euer perfekter Kitaalltag für die Kinder aus!?

Eure Leen

Bildquelle: Pixabay

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