Distanzlosigkeit gegenüber (fremden) Kindern

Ich habe etwas erlebt, das ich euch unbedingt erzählen möchte.

Wir waren einkaufen, meine Schwester, die Kinder und ich und wir waren gerade dabei das Band voll zu packen. Ein ganz normaler Supermarkt in der Kleinstadt. Heute kannte ich niemandem am Band und im Markt persönlich. Die Schlange war lang und die Menschen warteten. Meine Schwester und ich packten aus und mein Kind saß im Wagen in dem Kindersitz. Ich besorgte noch eine Kleinigkeit, während meine Schwester und Nichte auspackten.

Auf einmal hörte ich meine Schwester nur rufen: „Was machen Sie denn da?“ „Was geben Sie ihr da?“ „Das Kind ist Allergiker*in.“

Und da war es passiert.

Ein wildfremde Frau fütterte mein Kind!

Ich konnte es nicht fassen. Klammheimlich schob sie meinem Kind etwas in den Mund und dann Dinge, auf die mein Kind fürchterlich allergisch reagiert.

Distanzlosigkeit!…

Grenzüberschreitungen!…

Unachtsamkeit!…

Verantwortungslosigkeit!…

…im Alltag!

Was erlauben sich Menschen, was denken sich Menschen dabei, wildfremde Kinder zu füttern, ohne vorher die Eltern zu fragen?

Ich spülte panisch den Mund meines Kindes aus, bat sie alles auszuspucken und keifte die Frau nur noch an, die immer nur sagte „Ist doch nicht schlimm, ist doch nicht schlimm.“, immer näher kam und meinen Distanzbereich auch noch durchbrach. Sie verstand rein gar nichts, was ich ihr sagen wollte, sie sagte immer nur: „Ist doch nicht schlimm.“

Es ist schlimm! Es ist nicht in Ordnung! Es ist in diesem Fall sogar fahrlässig und gefährlich, unachtsam und distanzlos. Es hätten wirklich schlimme Dinge passieren können.

Nach solchen Momenten denke ich immer darüber nach, wie es wäre, wenn wir mal die Rollen tauschen würden. Tauscht doch mal alle kurz den Blickwinkel und visualisiert die Situation vor eurem inneren Auge!

Jemand steht an der Kasse hinter dir und stopft dir, ohne dich zu fragen, einfach etwas Essen in den Mund?

Wie fühlst du dich jetzt?

Unsicher?

Überrumpelt?

Wütend?

Überfordert?

Ja, so würde ich mich fühlen und bei Kindern scheint das einfach gesellschaftlich „völlig normal“ zu sein.

Mein Kind saß nur da und starrte. Wie auch anders, sie ist noch keine 3 Jahre alt.

Ich erzähle euch das, weil ich darauf aufmerksam machen möchte! Wir wissen nie, welchen Rucksack unser Gegenüber zu tragen hat. Wir finden das nur heraus, wenn wir uns ins Gespräch begeben. So ist das beim Essen, bei der Erziehung, beim Alltäglichen. Jede*r hat andere Gewohnheiten, Vorlieben, Krankheiten und Bedürfnisse. Wir müssen achtsam miteinander sein und das auch besonders mit unseren Kindern. Die Zeiten sind vorbei, dass ich mit Kindern einfach tun und lassen kann, was ich will! Kinder haben Rechte! Kinder sind gleichwürdige Menschen und ich ermutige euch, aufmerksam zu sein und achtsam auf solche Themen zu schauen. Ich persönlich möchte z.B. auch nicht, dass man mir Essen in den Mund stopft, obwohl ich nicht danach gefragt habe oder darum gebeten. So geht es Kindern höchstwahrscheinlich in vielen Situationen im Leben auch. Bleibt bitte achtsam miteinander.

Was denkt ihr? Wie geht es euch damit?

Eure Leen