Ein Text vom Ende einer Stillbeziehung.

Der Anfang… 

Es war anfänglich ein beschwerlicher Weg mein 2500g Baby an die Brust zu führen, denn sie hatte nicht die Kraft die Brustwarze zu halten. Ich pumpte einige Wochen meine Milch ab und gab sie ihr tröpfchenweise mit der Flasche. Zum eigentlichen Geburtstermin war sie stark genug, selbst an meiner Brust zu trinken. Ich stillte und wir gaben abgepumpte Milch aus der Flasche. Ein paar Tage half ein Hütchen und dann brauchten wir bald keine Hilfsmittel mehr, weder Hütchen noch Flasche. 

Die Stillzeit…

Nach den Startschwierigkeiten und vor meiner jetzigen Schwangerschaft war fast alles komplikationslos. Sie trank gut und schnell und ich hatte nur einen Milchstau in der Anfangszeit. Als die Beikostzeit kam, wollte sie nie Brei. Sie aß ab und zu etwas Fingerfood und wurde von mir fast voll gestillt, bis sie etwas über ein Jahr alt war. Sie war eines dieser Kinder, die gern Milch tranken und es auch als völlig ausreichend empfanden.

Nun wird sie im Sommer 2 Jahre alt und ich sehe ein selbstbestimmtes Kleinkind vor mir. Bei uns läuft es so, dass ich sie frage, ob sie etwas möchte. Ich frage sie keine 100 Sachen, denn das können Kleinkinder in diesem Alter nicht entscheiden. Ich lasse ihr aber oft die Wahl zwischen z.B. zwei Möglichkeiten. Eine Fragekombination wäre „Möchtest du eine Brust trinken oder lieber ein Glas Wasser?“. Diese Möglichkeiten beantwortet sie mir. So ist das jetzt auch mit dem Essen, Trinken und Spielen und so war es eben auch mit dem Stillen. 

Von einem auf den anderen Tag hat sie sich selbstbestimmt abgestillt.



Rückblickend auf die Abstillzeit…

Ich hatte ein hartes erstes Schwangerschaftsdrittel. Unsere Tochter hatte einen Entwicklungssprung, ich war gleichzeitig sehr müde und oft krank und sie wollte die halbe Nacht an die Brust. Ich hielt durch, weil ich gern stillte, auch wenn es zu dieser Zeit wirklich sehr anstrengend für mich war. Alle redeten vom Abstillen, bis auf Kathrin und Andrea, die mir mental zur Seite standen und auch Ahnung hatten, was sie erzählen. Ich brauchte kein Blabla, ich brauchte echte Gespräche und Erfahrung und das hatten diese Frauen. Ich kannte in meinem Freundeskreis niemanden, der so lange stillte, wie ich. 

Das zweite Drittel der Schwangerschaft war einfach nur herrlich. So hätte es noch länger bleiben können. Stillen zum Einschlafen, ab und zu am Tage und alles war einfach nur relaxed und kuschelig.  Auch da fragte ich immer: „Möchtest du noch eine Brust zum Einschlafen trinken?“ Sie antwortet immer mit JA.

Seit Tagen ist aus dem JA ein NEIN geworden. Sie hat für sich entschieden, dass sie keine Mamamilch mehr trinken möchte.

Nun will sie nur noch kuscheln, aber was heißt schon „nur noch“. Ich bin echt sehr froh, dass sie ihre Entscheidungen und Bedürfnisse so gut für sich äußern kann.
Gleichzeitig bin ich aber auch traurig. Es ist ein Abschied, denn ich habe im April 2017 das letzte Mal meine Tochter gestillt. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich Tandemstillmama sein werde. Mein Baby ist ein Kleinkind geworden und entscheidet immer mehr für sich selbst. Unsere Bindung darf sich weiten, wie ein Gummiband. Es wird immer ein Stücken weiter werden, ohne jedoch zu reißen.

Es ist sehr spannend, diesen Prozess zu beobachten und zu begleiten.

Ich habe sie sehr gern gestillt und werde es auch vermissen. Es war eine wunderschöne erste Stillerfahrung, die ich niemals vergessen werde und die mich unwahrscheinlich selbstbewusst gemacht hat.

Ich freue ich schon auf die nächste Stillbeziehung zu meinem Baby, welches im Sommer zur Welt kommen wird.

Eure Leen

7 Kommentare zu “Ein Text vom Ende einer Stillbeziehung.

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