Erzieher_In als Begrifflichkeit – Was eine Berufsbezeichnung für eine Botschaft übermitteln kann!?

Auf Twitter las ich einen Tweet von meiner Bloggerkollegin Mama Natur über ihren Kindergarten und wie dort mit einem Kind umgegangen würde. Die Erzieherin ließ den Jungen Kniebeuge neben dem Tisch machen, während die anderen Kinder aßen. Dann durfte er sich wieder hinsetzen. 

Das zu lesen, hat mich mal wieder so aufgeregt! 

Erziehen, Erziehung, Erzieherin – das sind Worte, die das Ziehen in sich tragen, an etwas herumziehen, etwas in eine Richtung ziehen.

Meine Berufsbezeichnung der Erzieherin – Passt das noch für mich?

Ich habe mir nach dem Tweet nochmal Gedanken gemacht und mich dazu entschlossen, meine Berufsbezeichnung von meinem Lehrberuf wieder in die Kindergärtnerin zu ändern.

Warum?

Weil ich den Gedanken von Fröbel, frei übertragen, dass Kindergärtner_Innen Kinder wie kleine Pflanzen pflegen, hegen und beobachten, richtig schön finde. An einem Menschen herumzuziehen finde ich unnatürlich und ich habe mich eh nie so richtig mit den erzieherischen Methoden anfreunden können, weder in der Ausbildung noch in der Berufspraxis.

Mal so am Rande! Zu mir sagte mal eine Erzieherin, „dass ich, wenn sie jetzt die Prüfung abgenommen hätte, durchgefallen wäre.“

Warum?

Weil ich das Kind fragte, ob es in den Kreis kommen möchte. Nach ihrer Meinung „hätte ich das Kind auffordern müssen, in den Kreis zu gehen“, so nach dem Motto „Komm jetzt!“ Dazu dann noch diesen schönen Nachsatz oben drauf :“ Leen, Theorie und Praxis sind eben zwei paar Schuhe.“

Wahnsinn oder?

Vorurteile gegenüber frischen Ansichten, gut ausgebildeten jungen Menschen, beherrscht von Engstirnigkeit und Zwang. Es ist für mich nicht so einfach mit den Erzieherinnen zu arbeiten, die Erziehung mit Zwang und Kontrolle verbinden, wenn ich selbst eher die Beziehung statt der Erziehung lebe. Bei Lisa auf dem Blog *geborgen & geliebt* steht groß in der Überschrift ein Zitat von Friedrich Fröbel: „Erziehung besteht aus zwei Dingen: Beispiel und Liebe.“ Dies entspricht doch wohl eher einer „erzieherischen“ Haltung, oder wie seht ihr das?

Ich hoffe sehr, dass die neue Generation der Erzieher_Innen viele Blogs lesen, die Themen der  Beziehung statt Erziehung und Unerzogen den jungen Pädagogen näher bringen und die Sinne schärfen und öffnen.

Schule, Ausbildung und Begrifflichkeiten!?

Die Kindergärtnerin wurde irgendwann abgelöst, weil sich das Berufsfeld erweitert hatte. Erzieher_Innen können auch mit jugendlichen oder erwachsenen Menschen arbeiten und somit entstand die neue Berufsbezeichnung.

Ich bin jetzt mal ganz ehrlich. Den Teil, den ich in meiner Ausbildung zur Jugend und zum Erwachsenenalter hatte, ist schwindend gering, fast schon lächerlich gering. Ich habe es mir sogar damals von den Lehrer_Innen eingefordert, weil ich im Kinderheim arbeiten wollte und da auch noch extra Wissen benötigte. Eine Lehrerin ließ mich dann in der Klasse extra Arbeiten schreiben, die ich zum Themenfeld der Jugend beantworten durfte. Ich habe mich immer gefragt, was das für ein verrücktes System ist, für eine wirre Ausbildung!? Ich hoffe, es war nur bei mir so und nicht auch in anderen Schulen und Bundesländern.

Besser wurde es im Studium. Ich konnte Kinder-und Jugendsozialarbeit als Kurs, aber auch frühkindlich orientierte Kurse wählen. Wir konnten uns spezialisieren und wählen, was zu uns passte. Das war eine riesiger Gewinn für mich.

Ich finde mittlerweile, nach den ganzen Jahren, dass der Begriff der Erzieherin einfach nur noch veraltet und unpassend erscheint.

Welchen Begriff sollten wir nutzen!?

Valerie vom Blog Raus mit dir Baby twitterte dann auch noch eine Runde mit mir. Sie arbeitet als Erzieherin und mag den Begriff auch so wenig wie ich. Bei ihnen auf der Arbeit wird von pädagogischen Fachkräften gesprochen. Ich finde den Ansatz besser, aber mal ehrlich!? 

Sind wir nicht alle pädagogische Fachkräfte? 

Die Erzieher_Innen, die Lehrer_Innen, die Sozialarbeiter_Innen, die Kinderpfleger_Innen? 

Das ist für mich irgendwie ein Überbegriff, diese pädagogische Fachkraft. Langfristig finden Valerie und ich, dass die Bezeichnung der Erzieher_In abgeschafft werden sollte und ein passenderer, liebevollerer und beziehungsfähigerer Begriff entstehen darf.

Wie soll ich mich mit dem Begriff der Augenhöhe, der Gleichwürdigkeit und der Beziehung identifizieren, wenn ich doch Erzieher_In heiße? „Bezieherin“ hört sich für mich auch sehr schräg an. Pädagoge darf nur gesagt werden, wenn studiert wurde, also wenn direkt Pädagogik studiert wurde. So sagte es mir mal eine Lehrkraft an der Fachhochschule.

Also haben ich für mich entschlossen, wieder eine Kindergärtnerin und Sozialarbeiterin zu sein.


Eure Leen

16 Kommentare zu “Erzieher_In als Begrifflichkeit – Was eine Berufsbezeichnung für eine Botschaft übermitteln kann!?

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