Freude oder Ablehnung – Spürt ein Baby die Gefühle der Mutter im Bauch?

Bei Twitter las ich eine Diskussion. Eine Mama beschrieb, wie sie ihren Arztbesuch erlebte und wie enttäuscht sie war, als ihr gesagt wurde, dass es ein Junge sei. Ich glaube diese Szene ist nicht neu und trifft auf viele Eltern zu.

Diese Gedanken dazu treiben mich um. Es wird etwas philosophischer heute und es sind einfach meine Gedanken. Ich möchte niemanden angreifen, ich möchte ausschließlich meine Sicht auf diese Thematik beleuchten.

Viele Frauen berichten von einer innigen Bindung zu ihrem Kind. Sie fühlen das erste Gluckern, spüren, wenn etwas „nicht passt“ oder fühlen sich einfach mit ihrem Baby im Bauch verbunden.

Was fühlt das Baby? Ich kann es euch nicht sagen, aber ich habe großen Respekt vor der Frage an sich.

Fühlt es, durch die Verbildung, dass es nicht gut genug ist? Das es „nur“ ein Junge ist? Oder gibt es da noch gar keine Gefühle?

Ich weiß es nicht, tendiere aber eher zur ersten Äußerung.

Ich habe mich mit meinem Baby verbunden gefühlt. Selbst, als die Ärzte mich notoperieren wollten, fühlte ich, dass alles mit dem Seidenraupenkätzchen in bester Ordnung war! Sie hat es mir „gesagt“ in meinen Gefühlen, in unserer Verbindung. Keine weiteren Auffälligkeiten im CTG. Sie blieb also noch fast 7 Wochen im Bauch und wir haben unsere Schwangerschaft beschützt.

Zurück zum „Jungen-Ding“.

Ich weiß nicht so richtig, wie ich mit diesen Gedanken umgehen soll. Hat die heutige Technik das aus uns gemacht? Weil wir alles schon vorher sehen und wissen dürfen? Oder war das schon immer so?

Ich habe mich letztens mit einer Frau unterhalten, die um die 70 Jahre alt ist. Sie hatte damals schon einen Sohn und wollte als zweites Kind unbedingt ein Mädchen. Als ihr zweiter Sohn geboren war, sie aber immer noch fest glaubte, ein Mädchen zu bekommen, war sie bitterlich enttäuscht. Es ist also sicher schon immer so, dass Wünsche, oder in diesem Fall fast schon eine Erwartung, bestehen und nicht erfüllt werden. Wünsche nach dem Geschlecht des Kindes.

Ich habe mir damals als erstes Kind ein Mädchen gewünscht. Ich habe aber immer gesagt, ein Junge ist auch perfekt. Heute bereue ich das.

Wieso?

Es fühlt sich einfach nicht richtig für mich an, solche Wünsche zu hegen. Es kommt eh wie es kommt. Eine Erwartung erzeugt oft eine Enttäuschung, wenn es mir so ergangen wäre, wie der 70 jährigen Frau.

Es dann abzulehnen, was das „Universum“ für mich bestimmt hat, macht mich noch nachdenklicher. Wir reden hier und heute einfach „nur“ über das Geschlecht und nicht über eine Krankheit oder eine Schädigung.

Ich habe immer Angst, dass das Baby diese Gefühle im Bauch mitfühlt und als eines der ersten Gefühle schon Ablehnung spürt.

Dann mache ich mir große Gedanken um Frauen, die das lesen und eine Fehlgeburt hatten und nicht mehr über Jungen oder Mädchen nachdenken können und sich vielleicht fragen: Was hat das jetzt bitte noch für einen Stellenwert, dieses Geschlechtsding? Dann denke ich an Frauen, die sich ein Kind wünschen und nicht schwanger werden oder an Frauen, die ein Kind in sich tragen und es nicht geplant war und die Identifikation mit dem Baby (noch) fehlt.

Dann denke ich daran, dankbar zu sein und demütig, über mein Glück und erinnere mich daran, mich daran zu erinnern, wenn ich ein zweites oder drittes Mal in dieser Situation sein werde.

Eure Leen

Meine Bloggerfreundin Mother Birth geht da noch ganz anders an die Thematik heran. Sie lässt es sich nicht sagen und wird von der Gesellschaft damit konfrontiert, aber schaut doch einfach selbst noch einmal hier auf ihrem Blog vorbei.

6 Kommentare zu “Freude oder Ablehnung – Spürt ein Baby die Gefühle der Mutter im Bauch?

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