Hochsensibel Mama sein -Das Ressourcen-Buch (Rezension)

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Ich bin froh und glücklich, als ein Paket vom Beltz Verlag bei mir Zuhause ankommt. Freudig packe ich aus, denn ich ahne den Inhalt. Es ist das Buch von meiner lieben Kathrin Borghoff „Hochsensibel Mama sein – Das Ressourcen- Buch„, welches mir der Beltz Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellt!

Ich sitze am nächsten Morgen im Wartezimmer der Arztpraxis und warte auf meinen Mann. Ich habe mir Kathrins Buch mitgenommen und freue mich auf jede einzelne Seite, auf jedes einzelne Wort. Bücher quer lesen kann ich nicht, das gibt mein Gehirn einfach nicht her. Mein hochsensibles Gehirn nimmt also Wort für Wort auf und versucht sich darauf zu konzentrieren, während die Gespräche der Sprechstundenhilfen auf mich einprasseln und ich versuche, es zu filtern. Hätte ich mir nur Ohropax mitgenommen. Das nächste Mal bin ich schlauer. Ich lese und lese, esse dazu eine Brezel und lese weiter. Ich bin im Bann des Buches und nicke und schaue kurz hoch, denn die Menschen wundern sich sicher, warum ich immerzu nicke. Ja, ich erkenne mich. Ich verstehe mich und ich reflektiere meine Vergangenheit beim Lesen dieses Buches.

Dick und Fett steht geschrieben: Bin ich ein Alien? Diese Frage habe ich mir auch oft gestellt, also im übertragenen Sinn! Ein Alien, der alles um sich herum aufnimmt und kleinste Feinheiten mitbekommt? Ein Mensch, der so anders ist als die meisten, um mich herum?

Kathrin lernte ich über ihren Blog kennen. Von Kathrin erfuhr ich 2016, dass ich hochsensibel bin. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 1 Jahr lang Mama einer Tochter und ich war anders als meine Freundinnen, in meinem Denken und mit meinen vielen vielen Gefühlen und Sorgen. Das ich anders war, wusste ich schon als Kind und junge Frau. Ein Lehrer sagte einmal zu meiner Mama, dass ich „in meiner eigenen Welt lebe“. Meine Tiefe verstanden zu Schulzeiten nur wenige Lehrer*innen. Glücklicherweise gab es sie aber, die wenigen Menschen im Bildungssektor, die mich verstanden haben und die wahrscheinlich selbst hochsensibel sind. Heute bin ich einfach nur dankbar für diese Informationen, zu denen mir Kathrin einen Zugang verschaffte, denn bis dato hatte ich nichts von der Hochsensibilität gehört gehabt.

Ich sitze also im Wartezimmer lese und lese und eine kleine Passage lese ich 5 Mal, denn diese bewegt mich einfach so sehr.

„Deine Hochsensibilität kann dich ganz schön fertigmachen, wenn du ihr erlaubst, euren gemeinsamen Tag zu bestimmen. Denn das ist nicht ihr Job. Sondern deiner. Sobald die Hochsensibilität einen Platz in deinem Bewusstsein einnimmt, der vor allem für deine Stärken – also zum Beispiel dein besonderes Mitgefühl, deine Kreativität und Fantasie, dein unglaubliches Gedächtnis oder deine Sanftmut – verantwortlich ist, wirst du dein Leben in Fülle führen. Du wirst genau wissen, was dich ausmacht und was du besonders gut kannst, und wirst verstehen, dass Rahmenbedingungen sich ändern können.“ S. 47

Ja, ja und ja! Ja, das ist für mich ein Schlüsselsatz fürs Leben. Darüber kann ich nachdenken, daran kann ich wachsen, damit kann ich an mir arbeiten.

Beim weiteren Lesen war ich auch ergriffen, als es um die Selbstbestimmung bzw. Fremdbestimmung durch das zu begleitende Kind ging. Dieses Thema machte mir oft ein schlechtes Gewissen, denn ich brauche kinderfreie Pausen am Tag. Das wird mir immer bewusster. Für dieses Gefühl habe ich mich geschämt. Das Lesen dieses Abschnittes hilft mir gerade sehr, mir selbst etwas milder diesem Thema gegenüber zu stehen. Ich habe in meiner pädagogischen Zeit so einige Kinder und Jugendliche begleitet, jedoch hatte ich genügend Pausen nach meinen Diensten. Auch das Jugendalter liegt mir besonders, während mich das Kleinkindalter wirklich herausfordert. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich solch ein Bedürfnis nach Pausen und Ruhe verspüren würde, wenn ich eigene Kinder hätte. Für mich ist es sehr wichtig, nochmal darüber nachzusinnen und Frieden mit diesem Thema zu schließen, aber auch ehrlicher mit mir und meinem Ressourcen-Management umzugehen. Ich darf es ausbauen und vermehrt in die Ich-Zeit-kommen. Es ist an der Zeit und das ist mir beim Lesen nochmal deutlich bewusst geworden.

Im Buch ist der aktuelle Forschungsstand über die Hochsensibilität zu lesen. Besonders die Funktionsweise des Gehirns und der Abschnitt zum Thema Stress waren für mich unwahrscheinlich spannend. Ich konnte mein Wissen darüber vertiefen, erweitern und festigen. Ich finde es tatsächlich praktisch, auch fundiert über die Hochsensibilität zu sprechen und meine Gehirnfunktionen etwas beschreiben zu können. Die Beispiele sind präzise gewählt und gut zu verstehen. Ich habe das Wissen dazu tatsächlich schon einige Male gebrauchen können, besonders wenn so viele Dinge gleichzeitig passieren, denn dann arbeitet mein Gehirn pausenlos und kommt in eine „Überstimulierung“. Dann kann ich von Filtern sprechen und es mir selbst oder auch anderen Menschen erklären, warum ich gerade „eine Pause brauche“ oder „mich nicht mehr konzentrieren kann“. Pausen brauche ich auch von einigen Sinneseindrücken. Das beschreibt Kathrin ganz wundervoll, was da dann so bei uns los ist und wenn manchmal „alles ein bisschen zu viel ist!“ Ein kleines Zitat findet sich von mir auch dazu. Es beschreibt ziemlich deutlich, wie mein Geruchssinn funktioniert und was mir dann manchmal „zu viel wird“.

aus „Hochsensibel Mama sein, S.87“

Besonders schön ist die Ermutigung von Kathrin, dass auch diese sensitiven Ausprägungen der Menschen in der Gesellschaft gebraucht (und nicht lästig sind) werden, wir gebraucht werden. Denn unsere Gesellschaft macht das bunte Spektrum an Menschen mit deren Besonderheiten aus. Danke dafür!!!

Im gesamten Buch finden sich Übungen, mit denen wir Leser*innen arbeiten können und die zu bestimmten Themen passen. Sie sind mit einem Rahmen versehen und farblich abgesetzt vom Fließtext. Diese Übungen können immer wieder in den Tag eingebaut werden. Ich werde es definitiv nutzen.

An mir vertieft arbeiten möchte ich zum Thema: „Emotionen fühlen“! Ich möchte sie nicht mehr gelegentlich unterdrücken, damit ich mich der „Gesellschaft anpasse“. Im Außen höre ich oft Aussagen wie: „Nimm dir nicht alles so zu Herzen“ oder „Sei nicht so sensibel, Marleen“. Ich möchte es mir erlauben, meine Gefühle auch zu fühlen, wenn es dran ist und nicht zu verschließen oder sie später fühlen, wenn ich allein bin. Ich möchte es nicht sogar irgendwann noch verlernen, also ist das Thema jetzt dran. Das ist mir durch das Buch auch nochmal deutlich klar geworden. Denn Kathrin sagt es: „Deine Gefühle sind dein gutes Recht!“ Lasst es euch auf der Zunge zergehen, denn es ist so viel Wahrheit in dieser Aussage und so wichtig. Ich möchte mich nicht mehr für meine Gefühle schämen oder mich wegen dieser schlecht fühlen. Mit meinen Kindern und meiner Familie habe ich dafür schon ganz gute Lösungen gefunden, denn das ist mein geschützter Rahmen. Im Außen werde ich jetzt damit anfangen und an meiner Einstellung arbeiten.

Kennt ihr eigentlich den Unterschied zwischen „sich etwas Gutes zu tun“ und „Egoismus“? Mir war das nicht immer so ganz klar. Ich tue mich schwer, mir etwas Gutes zu tun, ohne mich danach als eine totale Egoistin zu fühlen. Auch hierzu könnt ihr im Buch lesen. Es räumt auf und macht alles etwas klarer und gibt dazu noch ganz einleuchtende Zukunftsbeispiele und Alltagsbeispiele mit Aha-Effekt!

„Auf deinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, ohne das Gesamtgefüge deiner Herde miteinzubeziehen, widerspricht deiner Natur…dass Selbstfürsorge und der regelmäßige Blick auf die eigene Verfassung nichts mit Egoismus zu tun haben, sondern vielmehr mit dem eigenen Schutz davor, bei dem -zweifelsohne wertvollen – Blick auf die anderen völlig auszubrennen.“ (S.116)

Um nicht völlig auszubrennen gibt es viele gute Impulse und Gedanken zur Selbstrefektion im Buch. Besonders ertappt fühle ich mich beim Notfallprogramm. Der Kampf zwischen Gefühlen (was bräuchte ich gerade) und dem Kopf, der sich dann einschaltet. Das bewegt mich gerade sehr und ich sehe einige Beispiele vor Augen, was meine Seele gerade so bräuchte, mein Kopf aber „verbietet“. Schön, dass es mir jetzt wieder bewusst ist und ich die kleinen Träume mir traue zu verwirklichen, denn das ist es halt eben auch – das Leben zu spüren und Kraft zu tanken.

Ich bin ehrlich. Ich war immer so gern beim Yoga. Seit ich Mama bin habe ich keinen Kurs mehr für mich gemacht. Ich habe mir direkt nach der Passage im Buch einen Yoga-Kurs gebucht und freue mich jetzt total darauf. Auftanken und etwas nur für mich allein tun! So kann ich meinen mentalen Stress abbauen, wie Kathrin es sehr eindrücklich in Buch beschreibt. Das mache ich jetzt ab Mitte Februar und es wird mir gut tun.

Mit den Themengebieten Abgrenzung, allgemeinen Grenzen und Empathie geht es weiter. Meine Empathie ist sehr stark ausgeprägt, was für mich „Segen und Fluch“ zugleich ist, denn sie macht es mir schwer, mich abzugrenzen. Es wird super gut beschrieben, was da im Gehirn passiert und warum wir reagieren, wie wir oft reagieren. Empathie behalten und trotzdem in vielen Situationen eine gesunde Abgrenzung zu erlernen, steht bei mir auch an. Kathrin beschreibt es schön:

„Denn mitzuFÜHLEN ist nicht gleichbedeutend damit, mitzuLEIDEN!“ (S.153)

Ich habe schon viel an mir gearbeitet, aber es ist noch Platz nach oben ;)! Grenzen als Schutzraum zu sehen, hilft mir gerade auch total.

Zum Thema Schatzkisten und Ressourcen geht es im Buch weiter:

„Gefühle sind deine große Stärke! …., dein komplexes Innenleben und deine überbordende Empathie sind bestens dafür geeignet, dich selbst und andere zu erspüren. Genau das ist die Aufgabe, die du hast. Genau das zeichnet dich aus.“ (S.183)

Meine Hochsensibilität als Ressource zu erkennen ist die Königsdisziplin für mich. Daran arbeite ich schon eine ganze Weile, besonders meine Stärken und Gefühle als Stärken zu erkennen. Ich traue mir mittlerweile, diese Stärken auch zu benennen und zu akzeptieren.

Hochsensibel Mama sein, S. 184

Dieses Kapitel des Buches war mir besonders wertvoll und die Übungen dazu, die ich ganz für mich allein absolvierte. Die Erkenntnisse behalte ich für mich, besonders die, die mich zu meinen Ängsten führen, an denen ich zukünftig verstärkt arbeiten und wachsen möchte.

„Du bist genau richtig, wie du bist!“ – Schreibt Kathrin! AlienGefühle und soziale Ausgrenzung kennen wir als hochsensibele Menschen sicher alle. Aber es zu unserem Mantra werden zu lassen, müssen wir nicht zulassen! Wir sind nämlich ziemlich viele und können uns austauschen und in Verbindung gehen. Dazu wird im Buch angehalten und ich finde das großartig. Gott ist das schön, dass beispielsweise meine beste Freundin hochsensibel ist. Dazu kenne ich mehrere hochsensible Menschen, die in meinem Umfeld sind und sich gern mit mir austauschen und Teil meines sozialen Gefüges sind. Ich bin froh und dankbar!

Abschließend gibt es u.a. einen gelungenen Einblick in die bedürfnisorientierte Familie und ein klare Haltung von Kathrin dazu, welche auch der meinen entspricht.

„Du machst den besten und wichtigsten Job der Welt. Und dir wird nicht gekündigt, wenn du mal neben der Stellenbeschreibung tanzt.“ (S.232)

Ich bin eine hochsensible Mama mit einem hochsensiblen Kind. Kathrin beschreibt eine weitere Königsdisziplin, nämlich die der Co-Regulation. Hier ist es anspruchsvoll, die Gefühle meiner Kinder, mit meinen eigenen nicht zu vermischen. Im Job bekomme ich es gut hin, aber zuhause und vor allem bei diesem Kleinkindalter, darf ich noch genauer hinsehen und üben, Gefühle nicht zu sehr zu vermischen und jedem seine eigenen Gefühle zuzugestehen. Ich gebe zu, mit einem Kind gelang mir das ganz gut. Mit zwei Kindern ist das wirklich eine intensive Aufgabe für mich. Die dazugehörige Übung im Buch, bei dem mit dem Wort „Stop“ gearbeitet wird, kann mir sicher helfen, es klarer zu sehen. Denn das sind Möglichkeiten nicht in eine Erschöpfung zurückzufallen bzw. zu fallen.

Das Kapitel zur Erschöpfung hochsensibler Mütter, welches danach folgt, bewegt mich zutiefst. Um Hilfe zu bitten, wie es vielen Menschen schwer fällt, fällt mir auch schwer, aber ich mache es. Darauf bin ich ehrlich stolz.

Sei du selbst!

Das ist echt eine Aufgabe! Man selbst zu sein und sich mit der Schönheit des Lebens zu umgeben, Freude zu fühlen ist wundervoll. Loszulassen, was nicht mehr dienlich ist auch. Die abschließenden Themen zu „Sei du selbst!“ im Buch genieße ich jetzt für mich allein, ganz in Ruhe mit mir und meinen Gedanken dazu.

„Löse dich von diesen von außen gemachten Anforderungen, die dich abwerten und deine wahren Talente gar nicht erst zeigen! Zeige dich stattdessen genau so, wie du bist. Sei authentisch, sei du, sei die Person, die du dir für dich und für deine Kinder wünschst.“ (S.271)

Das ist für mich ein wunderschönes Zitat, um meine Rezension abzuschließen <3

Resümee

Das Buch ist für mich nicht nur als Lektüre für hochsensible Mütter geeignet sondern auch für hochsensible Frauen und Männer. Ich habe mich in der kompletten Lesezeit einfach nur abgeholt, wertgeschätzt und verstanden gefühlt. Dazu ist es auch eine spannende Lektüre für Partner*innen von hochsensiblen Menschen oder für alle, die sich für das Thema interessieren. Es lässt sich sehr flüssig lesen, ist strukturiert und stimmig aufgebaut. Ich bin so glücklich, dieses Buch gelesen zu haben und fühle mich aufgeräumter, stärker und zentrierter durch die vielen tollen Impulse daraus. Danke Kathrin, danke, dass du damals das Thema zu „deinem Thema“ gemacht hast und uns alle mit deinem Wissen und deiner spürbaren Liebe zur Thematik beschenkst.

Eure Leen

Weitere Informationen über Kathrin Borghoff findet ihr:

Familienschule Dortmund

Blog Öko-Hippie-Rabenmütter

Buch „Hochsensibel Mama sein – das Ressourcen-Buch“

Family Steps

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