Lou schreibt über…Teil 3

Trennungsgründe

Ab wann ist es gesellschaftlich erlaubt sich zu trennen? Was sind wirkliche Gründe sich zu trennen?

Warum interessiert es mich eigentlich, was die Gesellschaft darüber denkt?

Diese Fragen stellt man sich, wenn man Trennungsabsichten hat.

Aber sollte man sich nicht lieber diese Fragen stellen?

Geht es mir gut in der Ehe? Tut diese Ehe meinen Kindern gut oder aber auch meinem Mann? Was gewinnt man und was verliert man durch eine Trennung?

Es ist schon bemerkenswert was passiert, wenn man sich getrennt hat und Kinder hat.

Trennt sich ein Paar ist das traurig,… aber sie hatten keine Kinder. Gut, dann können alle nochmal durchatmen.

Selbst wenn du „richtig“ wichtige und gute Gründe hast dich zu trennen, musst du dich rechtfertigen – vor allem als Frau.

Aber erst einmal von Anfang an.

Wahrheit tut weh

Tom sei Dank, habe ich meine komplette Beziehung und die letzten Jahre noch einmal aufgerollt. Wir können sagen, es war nicht schön und fühlte sich auch nicht schön an. Verdrängung und Leugnen waren da z.T., für den Moment wesentlich angenehmer. Tom hatte da ein wenig mehr Ausdauer… Die Strategie: einfach weitermachen, auch wenn es dir nicht guttut. Aber für die Familie muss man Opfer bringen, am besten sich selbst.

Die Wahrheit ist, es gehören immer zwei Menschen dazu, wenn etwas nicht funktioniert. Eine Ehe ist Arbeit und wer aufhört zu arbeiten verliert. Das macht aber auch nur Sinn, wenn beide Partner bereit sind etwas zu ändern.

Mein Grundproblem war von Anfang an, dass ich meinem Mann ein Lebenskonzept aufdrängelte, dass er nicht wirklich wollte, beziehungsweise, er war nicht ehrlich zu sich selbst. Kinder ja, aber alles andere bitte auch. Außerdem hatte sein Job viel mit Außenwirkung zu tun: Familie, Haus, Karriere und die Frau muss funktionieren.

Konservativ sozialisiert traf auf alternativ sozialisiert. Unsere systemische Therapeutin, die uns am Ende begleitete und dann aufgegeben hat, konnte nicht glauben, wie sehr Erziehungskonzepte von zwei Erwachsenen auseinandergehen können. Den Erziehungsstil meines Mannes bezeichnete sie als „nichtzeitgemäß“. Mein Mann lässt sich aber grundsätzlich von Experten nicht beeindrucken oder beraten. Er ist der letzte Universalgelehrte und das musste auch die systemische Therapeutin einsehen.

Die Therapeutin hat meinem Mann auch dazu geraten eine Verhaltenstherapie zu machen. Bis heute ist nichts passiert.

Also, was waren die Gründe die dazu geführt haben, dass ich mich getrennt habe?

Unsere Ehe funktionierte immer so gut, wie ich zu leisten im Stande war. Ich investierte alles was ich hatte. Ich wertschätzte wo ich nur konnte, überlegte mir Überraschungen, kochte, massierte, hörte zu, hatte Verständnis, steckte eigene Bedürfnisse zurück. In der ersten Verliebtheit war das für mich ok. Ich war der Auffassung, wenn ich das ohne Vorwürfe Vorlebe, dann würde er sich es annehmen und mir ebenso begegnen. Je länger die Beziehung dauerte desto häufiger wurden meine Erwartungen enttäuscht. Ich begann mit Vorwürfen zu arbeiten. Äußerte ich Bedürfnisse waren diese weniger wichtig als die seinen. Zudem brauchte er fortwährend Bestätigung von anderen Frauen.

Im Übrigen wäre das Fremdgehen an sich noch kein Trennungsgrund für mich. Dabei handelt es sich um eine Sache die das Paar betrifft, aber nicht unbedingt die Kinder und die Familie. Das habe ich aber nur wegstecken können, weil ich mich emotional sehr weit entfernt habe. Ich habe vollstes Verständnis für die, die nicht damit klarkommen.

Es war nie ein gutes Gefühl sich Gedanken darüber zu machen, ob der Partner Kontakt zu anderen Frauen hat. Meine Verlustängste steigerten sich und ich klammerte.

Ich hatte ständig Angst.

Diese Angst spielt im Moment bei Tom und mir wieder eine Rolle. Ich muss stark an mir arbeiten, um nicht in alte Verhaltensmuster zu fallen.

Ein viel größeres Problem meines Mannes war sein Verhalten und die Vorstellung von Familie für mich. Empathie und Selbstreflektion sind bei ihm nicht vorhanden und führten auch dazu, dass er immer mehr eskalierte.

Er war anhaltend unzufrieden. Das hatte nicht nur Auswirkungen auf ihn, sondern auf uns, seine Familie. Nach außen hin ist er immer noch der smarte, perfekte und freundliche Familienvater. Menschen die uns nicht näher kennen, fragen sich dann, was ich eigentlich für ein Problem habe.

Mein Problem war Gewalt, körperliche und verbale. Diese richtete sich gegen mich und die Kinder. Ich versuchte zu schlichten, mich neutral zu verhalten, aber es gelang mir fortwährend weniger. Natürlich entstehen dann neue Konflikte und es machte etwas mit mir. Es baute unerträglichen Druck auf. Ich hatte das Gefühl nichts mehr richtig zu machen, nicht genug zu geben. Ich reagierte dann auch zunehmend laut, wütend und aggressiv – ein Mensch der ich nicht war und der ich nicht sein wollte. Ein Ohnmachtsgefühl jagte das nächste. Ich versuchte mit aller Macht an diesem Lebenskonzept festhalten.

In unserem gemeinsamen Leben sind viele unschöne Dinge passiert. Wir hatten viel Pech, was dazu geführt hat, dass wir beide noch mehr belastet wurden.

Zusätzlich geschah dann etwas Unvorhergesehenes. Wenn ich zurückblicke, verwundert es mich eigentlich nicht mehr. Ich wurde schwerkrank, lebensbedrohlich krank. Und das in einer sowieso bereits schwierigen Situation.

Nun könnte man handeln wie Lou und sagen, aus dieser Situation gehen wir gestärkt heraus und wenn ich wieder gesund bin, dann wissen wir alle was wirklich wichtig ist. Aber so war es eben nicht…

Im nächsten Teil mehr dazu.

Außenwirkung hatten meine Eltern übrigens auch gut drauf, meine Mama war darin perfekt. Ich bin glücklich, lächeln, lächeln, lächeln…es wirkte manchmal etwas festgetackert und das Sprechen mit gespitztem Mund, verursacht durch latente Aggressionen, war sicherlich auch nicht leicht.

Unsere Sozialisation spielt schon eine nicht unwesentliche Rolle…

Bei Tom war das übrigens alles anders. Seine Frau hatte ihn betrogen, sehr lange. Am Anfang völlig unerklärlich für ihn, mittlerweile sieht er Fehler in seinem Verhalten, die dazu geführt haben könnten, dass sie sich so verhält. Eine Entschuldigung ist das natürlich nicht, eher eine Erklärung.

Für ihn fühlte es sich an, als wenn er in ein schwarzes Loch fällt. Für mich sind diese Tage dann besonders hart. Es wird alles in Frage gestellt, rumgejammert und ich bekomme einen Spiegel vorgehalten, wie es für mich war. Aber es wird besser – bei uns beiden, die Löcher werden kleiner. Dennoch hat das alles einen sehr großen Einfluss auf uns.

Ich gehe mit Tom viele Schritte in eine gemeinsame Zukunft, aber wir durchleben permanent alte Verhaltensmuster, die wir uns in unseren Beziehungen angeeignet haben. Trotz all dem was mir wiederfahren ist, glaube ich dennoch an die Liebe und diese trägt mich durch diese Zeit. Es ist nicht nur die Liebe zu Tom, sondern die Liebe zu mir selbst und zu meinen Kindern.

Weiteres im nächsten Teil.

Eure Lou

Teil 1 und 2 findet ihr in der Rubrik Lou schreibt über…

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