Schichtarbeit und Familienzeit.

Es ist 21:40 Uhr. Ich sitze im Bett zwischen meinen Kindern und schreibe diese Zeilen. Ich bin kaputt, nicht unbedingt vom Tag an sich, aber von den 3 anstrengenden Abendstunden mit Abendessen und Einschlafbegleitung. Es ist Spätschichtwoche und ich muss ab Mittag alles allein bewältigen. Diese Schicht ist nicht meine liebste Schicht und passt nicht zu unserer Familie. Meine Kinder kooperieren ganz toll den ganzen Tag lang, auch den Mittagsschlaf bekomme ich allein sehr gut gemeistert, aber die Abendzeit geht zu zweit hier einfach viel besser. Abends möchte jedes Kind gern eine 1:1-Intensivzeit.

Das Unternehmen meines Mannes kann die Zeiten nicht anpassen, sagen sie. Er muss im System bleiben, darf nicht davon abweichen, sagen sie.

Mir würde es schon helfen, wenn er eher anfängt und nach dem Abendessen da wäre. Einfach dann, wenn die Kinder geborgen in den Schlaf begleitet werden möchten und das in Ruhe.

Unter Familienfreundlichkeit und Flexibilität stelle ich mir andere Dinge vor. Ich will auch nicht meckern oder klagen, nein, aber in dieser Abendzeit ist es für unsere Familie, ganz speziell, einfach viel besser, wenn wir zusammen sind.

Meine Kinder sind noch klein. Mein Seidenraupenkätzchen braucht wie gehabt abends viel Aufmerksamkeit und eine ruhige Begleitung in den Schlaf. Meine Kinder haben sich aneinander angepasst, werden zur selben Zeit müde und schlafen fast täglich gleich ein. Das ist für mich ein Spagat und ich möchte ungern ihre Bedürfnisse nach Nähe nicht erfüllen. Das ist mir auch wichtig, dass sie gut und geborgen in den Schlaf finden dürfen. In der Spätschichtwoche weinen sie dann abwechselnd und ich kann mich einfach nicht zerteilen und viele Vorschläge nimmt das große Kind nicht an, da auch dort die Müdigkeit eintritt und das Bedürfnis nach Nähe stärker wird. Allein spielen im Zimmer – nein, es klappt nicht. Oft muss sie warten, weil das Baby erst einmal an der Reihe ist. Oft denke ich mir, sie ist noch so klein und muss müde so viel leisten. Wäre Papa jetzt da, könnte er noch mit ihr lesen und kuscheln oder dergleichen. Doch Papa ist in der Firma. Ich trage das weinende Baby durch den Raum, wenn er im Sprung ist und nichts anderes mehr hilft und sehe mein weinendes Kleinkind im Bett liegen, dass müde darauf wartet, dass ich zu ihr komme. Sie sitzt dann da und sagt : „Mama jetzt bin ich dran.“

Und da frage ich mich: Was ist eine Familie wert? Sind wir doch alles nur Nummern und Individualität ist für große Konzerne völlig unvorstellbar? Bedeutet es so viel Arbeit, neue Wege zu gehen und etwas umzudenken? Kostet es so viel Zeit, etwas umzuplanen?

Heute Abend habe ich meiner Tochter die Sendung mit der Maus auf dem Handy angemacht. Das mache ich nicht oft, aber heute tat ich es. Ich wollte einfach gewährleisten, dass mein Sohn endlich in Ruhe einschlafen kann, ungestört. Er hatte es heute so richtig schwer, so sind meine Kinder im Sprung. Sie haben starke Gefühle und das ist auch in Ordnung so. Schön finde ich das mit der Sendung nicht. Doch ich tat es trotzdem, weil Papa nicht da war, um sie zu begleiten oder ihn zu halten, wenn ich bei ihr bin. Schade eigentlich. Nachdem er eingeschlafen war, kuschelte ich mich zu ihr und sie schlief ein. Ich bin dann ziemlich kaputt und hätte mir den Abend auch etwas entschleunigter und entspannter vorstellen können. Ich habe viele Dinge versucht, doch das einzige was wirklich gut hilft ist, wenn wir abends alle zusammen sind. Allein und unbegleitet weinen lassen kommt für mich niemals in Frage. Ich bin da, bin im Raum und begleite meine Kinder in den Schlaf. Meine Mama kam auch schon helfen, meine Schwester auch und sie spielten noch mit ihr, während ich das Baby im Schlafzimmer in den Schlaf trug. Das geht einigermaßen gut, aber ist doch nur eine Notlösung, irgendwie. Eigentlich wünschen sich alle nur den Papa, damit es für uns als Familie abends entspannter zugeht. Die Zeit vor dem Schlafengehen ist so wichtig für uns und sollte einfach auch entspannt sein dürfen. Für die Kinder, für ihn und für mich.

In solchen Momenten frage ich mich echt, was alleinerziehende Eltern mit Kleinkindern leisten. Ich finde es einfach nur erstaunlich und ziehe immer und immer wieder demütig meinen Hut. Das muss ich so ganz ehrlich sagen. Ich wüsste nicht, wie ich da nach 3 Wochen am Stück aussehen und mich fühlen würde.

Ich wünsche mir jedenfalls für uns familienfreundlichere und flexiblere Unternehmen und Arbeitszeiten in Ostdeutschland. Ich will hier ja nicht weg, will aber auch nicht immerzu hintenan stehen. Ich lese oft von Blogger*innen, wie einfach und flexibel es sein kann. Es werden Lösungen gefunden und die Menschen schauen gemeinsam, was geht und was nicht. Hier wird mein Mann blöd angeguckt, wenn es um unsere Lebensweise geht und darum, wie er in das ganze System Familie integriert ist. Wir machen das eben gemeinsam, alles. Ich sage dazu: Irgendwer muss ja mal anfangen, auch hier im Osten, aus diesen Mustern auszubrechen. Dann sind wir es eben. Ich breche nämlich ziemlich gern aus. Ich möchte, dass es uns gut geht und da gehören nun mal alle Familienmitglieder zu. Vielleicht gibt es ja doch irgendwann noch eine Lösung.

Wie handhabt ihr das so? Kennt ihr diese Gefühle? Habt ihr Hilfe oder seid ihr abends allein?

Eure Leen

8 Kommentare zu “Schichtarbeit und Familienzeit.

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