Stress, angedrohte Konsequenzen und die Wut!

Wut!

Sehr viel Wut!

Sehr sehr viel Wut!

Es ist 8:30 Uhr und Michi und ich laufen wie zwei Irre durch das Haus. Die Brille, die das Kind gestern Nachmittag noch hatte, ist weg. Versteckt! BÄM!

09:30 Uhr ist heute ein Termin bei einer Augenärztin und das auch noch in einer anderen Stadt und mit Fahrtweg.

Ich bin völlig unter Stress! Die Brille muss gesucht werden und dann werde ich dazu immer wütender, sie nicht zu finden.

Ich frage das Seidenraupenkätzchen, wo sie die Brille versteckt hat und es kommt „Ich weiß nicht, Mama!“ Ich ärgere mich, denke mir: „Man Leen, es ist doch echt sonst entspannt hier, vielleicht zu entspannt? Braucht es mehr Grenzen und Konsequenzen? Sind wir zu nett?“

Das Gehirn denkt und denkt, aber nicht realistisch und reflektiert, sondern auf einmal in Erziehung und Wut. DAS KIND BRAUCHT ERZIEHUNG, denke ich.

Ich sage einen Satz: „Wenn du immerzu die Brille versteckst, dann packe ich das Anna-Kleid und die Elsa-Haare weg. Dann kannst du damit nicht mehr spielen!“

Mein Kind weint.

Ich schäme mich und da wache ich auf, aus dem bösen Alptraum. Meine Wut hat mich gepackt.

Ich habe völlig bescheuerte Konsequenzen herbeigeschworen, meine Macht ausgespielt und komplett gequirlte Scheiße erzählt. Anstatt die Brille einfach zu suchen (was ja so oder so hätte passieren müssen), habe ich dem Kind Schuld aufgeladen, Machtspiele gespielt und sie erpresst.

Das ist mir wirklich lange nicht passiert. Es ist passiert, weil das für mich eine „Notsituation“ war und mein Gehirn fast schon ausgesetzt und meine Wut mich gesteuert hat. Ich war eigentlich die ganze Zeit wütend auf mich selbst, weil ich es nicht am Vorabend organisiert hatte und wütend auf Michi, der es auch nicht tat.

Meine persönliche Erkenntnis: Ich darf 2019 definitiv wieder intensiv mit meiner Wut arbeiten und meine Bedürfnisse ordentlich beleuchten. Verdrängen und wegschieben bringt überhaupt gar nichts. Mit ihr zu arbeiten wird meine Aufgabe werden. Das hat mir dieses Beispiel klar gezeigt. Ich möchte Strategien einüben, wenn ich in Stress gerate. Neu Möglichkeiten einüben, weil mein Gehirn dann diese in „Notsituationen“ abspielen kann. Muster verlassen und neue Muster erlernen.

Michi findet die Brille! Ich sage meinem Kind, dass ich völlig daneben war und es mir leid tut und das ihr Kleid ist ihr Kleid ist und ich es nicht wegnehmen darf.

Ich finde es trotzdem nicht schön, wenn die Brille versteckt wird. Das kommuniziere ich auch noch einmal ganz klar, aber dieses Mal total anders. Was sie aber letztendlich aus dieser Information macht, ist noch ein ganz anderes Kapitel eines anderen Buches.

Beide fahren zum Arzt und ich schreibe das hier auf, um es für mich noch klarer zu bekommen. Dann habe ich auch noch ein passendes Zitat in der Timeline:

Was mache ich das nächste Mal anders:

Wenn ich die Wut spüre, werde ich Dinge machen, die mich Erden. Was könnte das sein? Mir hilft beispielsweise:

*MIR MEINER WUT BEWUSST SEIN!

* Tief atmen, bevor ich spreche!

* Kurz die Augen schließen, den Mund fest schließen und innerlich zentrieren!

* Zusammen in der Küche tanzen! Das machen wir oft abends nach einem langen Tag und die Kinder lieben es. Gerade im Winter. Es kann Energie abgebaut werden. In einer solchen Situation hilft das für uns als Familie sicherlich super.

* Kurz den Raum verlassen und Brüllen (z.B. in ein Kissen), um nicht das Kind anzufratzen.

* Raus an die Luft gehen!

Wie macht ihr das? Habt ihr euch da schon komplett klar? Nutzt ihr bestimmte Strategien, wenn ihr merkt, dass die Erziehung euch kurz regiert?

Eure Leen

(Beitragsbild Pixabay)

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